chronologie des fallens

Ausgangspunkt dieser Arbeit war die Untersuchung eines Zustandes der modernen Gesellschaft welcher von Freiheiten, Träumen und von unendlichen Möglichkeiten erzählt, der aber auch von Zwängen und archaischen Gefühlen geprägt ist. Mit der Anlehnung an das barocke Gemälde „Der Höllensturz der Verdammten“ nach P.P. Rubens versucht sich die fotografische Arbeit an einer zeitgenössischen Interpretation der Thematik des gesellschaftlichen Falls. In dieser Darstellung sind die fallenden Figuren aus der barock-religiösen Sinngebung des „Höllensturzes“ herausgelöst und beziehen sich nunmehr assoziativ auf soziale Strukturen unserer spätmodernen Gesellschaft und der aus ihr erwachsenen Gefahr zu „scheitern“, sinnbildlich den Halt zu verlieren und zu „fallen“.

  • © © Gertje König: UL4

urbane landschaft

Die großformatigen Baumportraits inmitten städtischer Architektur lassen die Atmosphäre jener Orte visuell erfahrbar werden. Durch eine Vielfachbelichtung des jeweiligen Baumes im Zentrum des Bildes scheinen Zweige und der Stamm in Bewegung. Das Konstrukt wird zerlegt, neu zusammengefügt und bildet eine kongruente Erscheinung zu der von Menschenhand erbauten Architektur. Auch sie bildet neue Formen, Strukturen und Umrisslinien; verdichtet sich an manchen Stellen zu deutlich sichtbaren Wänden und zerfällt an Anderen zu durchscheinenden Gebilden. Durch die Überlagerung unterschiedlicher Perspektiven entstehen neue, ungewohnte Sichtweisen.

baumportraits

Zu sehen ist eine Aufnahmetechnik der Mehrfachbelichtung auf einem 4x5 inch großem Negativ. Als zentrales Motiv steht jeweils der Baum in einer neutralen verschneiten Landschaft mit Wolken bedecktem Himmel. Der Bildaufbau, mit seiner großen Freifläche im Vordergrund, beschreibt mein subjektives Blickempfinden das dem Betrachter einen optischen Weg über den Boden zum Baum hin aufzeigen soll.

Die Zweige und der Stamm scheinen in Bewegung und flirren vor der im Hintergrund latent wirkenden Landschaft. Der Baum wird hervorgehoben, fast wie auf einer Studioleinwand. Durch die Überlagerung der unterschiedlichen Perspektiven entsteht eine neue, ungewohnte Sichtweise. Der Baum wird zerlegt und zu einem neuen dreidimensionalen Konstrukt zusammengefügt; er gewinnt an Facetten und wird so in seiner ganzen Feinsinnigkeit, filigranen und komplexen Erscheinung abgebildet.

innenwelt

bewegtes selbstbild

In wie weit beeinflussen uns vorgefertigte Bilder und Begrifflichkeiten in unserer Imagination und können wir diesen überhaupt entgehen? Auf der Suche nach einer Möglichkeit mit diesen eingeprägten Bildern zu brechen, entwickelte ich eine Aufnahmetechnik die dem Zufall und dem Fehler Raum geben sollte: Eine pendelnde Kamera die eine „zufallsgesteuerte“ Bewegung ausführt. Durch die experimentelle Technik der Aufnahmen und der endgültigen Auswahl entstanden gerade nicht klassisch kontrollierte Portraits sondern zufällige Facetten unterschiedlicher Stimmungen.

weiße serie